Lemon Tee

Während meiner Zwangspause auf der Couch habe ich einiges gestrickt. Zwei weitere Sommertops sind nach dem Juliet Tee bereits entstanden. Doch ich habe die Zeit nicht nur zum Stricken, sondern auch zum Nachdenken genutzt. Nachdenken über Freundschaften. Sie kommen und gehen, doch ist vor allem der Teil des Gehens der schwerere Teil von beiden.

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Das Thema Freundschaften begleitet einen wohl ein Leben lang und viele Jahre schätzt man die besten unter ihnen an seiner Seite. Doch es gibt auch Zeiten, da muss man erkennen, dass die ein oder andere Freundschaft zu Ende geht. Und da fängt die Sache an kompliziert zu werden. Erst neulich habe ich einen Artikel gelesen, in dem es um das Beenden von Freundschaften ging und mich sehr darin aktuell sehr wieder gefunden.
Das Ganze begann mit der Schwangerschaft, man lernt viele neue Bald-Mamas kennen und der Kreis von Bekanntschaften erweitert sich gefühlt über Nacht um ein Vielfaches. Man schwebt so im Glück, so viele tolle Menschen um sich zu haben und neue Gesichter zu sehen, dass man schnell vergisst, wie man dem allen gerecht werden soll. Und da passiert es, dass man sich ob bewusst oder unbewusst von ein paar, neuen und alten Freunden, trennen muss. Ich kann es gar nicht mehr zählen, wie viele Karteileichen mein Kontaktverzeichnis bereits enthält und möchte gar nicht wissen, bei wie vielen anderen zufälligen Spielplatz-Bekanntschaften, mit denen man eben mal schnell die Nummer ausgetauscht hat, weil man könnte ja mal XY zusammen machen, dies für mich gilt…

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Da sind dann die, die sich weder für den ganzen Schwangerschafts- noch für den Babykram begeistert können, die es einem leicht machen, weil sie offensichtlich kein Interesse mehr an einem haben und dies durch konsequente Abstinenz deutlich zeigen und es einem somit wiederum auch leicht machen, los zu lassen, da die Freundschaft nicht so tief und eng war.
Dann gibt es jene, die man neu kennen lernt, man aber schnell feststellen muss, dass die Vorstellungen über das Wie, Was und Warum in Sachen Baby und Kind Meilen auseinander gehen, dass man bald selbst gerne auf Abstand geht, um nicht ständig damit konfrontiert zu werden. Bleibt nur zu hoffen, dass das Gegenüber keine ausgeprägten Stalking-Fähigkeiten besitzt und man mit der Nummer, still und unsichtbar in der Versenkung zu verschwinden, durch kommt.

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Und dann gibt es noch jene, die einem über die Schwangerschaft und darüber hinaus erhalten geblieben sind und man doch mit den Jahren erkennen muss, dass die Welten sich zwischenzeitlich auseinander gelebt haben. Dass die Gemeinsamkeiten einen verschwindend geringen Prozentsatz erreicht haben und die Zeiten, die man zusammen verbringt einem nicht mehr so leicht fallen, wie zuvor. Es entstehen Selbstzweifel und dann beginnt man sich zu fragen, wie viel Sinn das alles noch macht, ob man um diese bisher immer so wertvolle Freundschaft kämpfen soll.

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Lohnt sich das Kämpfen? Ist es ein einseitiger Kampf gegen Windmühlen? Ist es diese Freundschaft wirklich wert? Kann man die Freundschaft retten und auf ein altes Level wiederbeleben? Oder zu einer anderen Qualität weiterentwickeln? Haben sich beide Seiten einfach so verändert, dass sie nicht mehr zueinander passen?
Eines ist sicher, es dauert verdammt lange und raubt verdammt viel Kraft auf beiden Seiten durch Gespräche, Diskussionen, unterschiedliche Vorstellungen und die Zeit, die jeder braucht, um mit der neuen Situation klar zu kommen, sich darauf einzustellen wohin sich das Ganze entwickeln wird und ob man den Kurs weiter mitgehen will.

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Und irgendwann ist dann der Punkt erreicht, an dem man gefühlt aussteigt. An dem man einsieht, dass diese Freundschaft wie sie einmal war, nicht mehr existiert und einem die veränderte Situation nicht das zurückgibt, was man sich erhofft hat, einen nicht glücklich macht. Dass sein gegenüber und man selbst sich in der vergangenen Zeit verändert haben, neue Wege eingeschlagen hat und man doch der Wahrheit ins Auge blicken muss, dass man sich auseinanderlebt und Freundschaften eben mit dem Leben kommen und gehen, ob man es will oder nicht. Doch diese Einsicht tut oft weh und man will es bis zuletzt nicht wahrhaben. Und egal wie oft man dies schon einmal erlebt und durchlebt hat, erwischt diese Erkenntnis einen doch immer wieder auf’s Neue eiskalt. Man verliert doch einen guten Freund.

Bis man an den Punkt angelangt, wo man mit völliger Klarheit die Situation erfasst und mit Bestimmtheit sagen kann, dass man auch mit der veränderten Situation, mit dem Wegfall dieser einmal wertvollen Freundschaft leben kann und neue Wege gehen muss, anstatt Altem hinterherzutrauern und sich aufhalten zu lassen. Und vielleicht ist man dann wieder offen für Neues.

Eure Katze

@ wof

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